Artenvielfalt

Wie viele Arten gibt es auf der Erde?

Genau kann derzeit niemand sagen, wie viele Arten es auf unserem Planeten gibt. Denn den größten Teil der Lebensformen gilt es, erst noch zu entdecken. Wissenschaftlich beschrieben wurden bisher ca. 1,8 Millionen Arten. Allerdings existiert noch immer kein vollständiges Register. Aktuell arbeitet das Integrated Taxonomic Information System an dieser Mammutaufgabe.

Über die tatsächliche Artenzahl gibt es verschiedene Auffassungen. Vorsichtige Hochrechnungen gehen von insgesamt 5 bis 10 Millionen Arten aus. Andere halten 30 Millionen oder gar mehr Arten für möglich.

Anzahl der Arten in systematischen Großgruppen

Anteil verschiedener Organismengruppen an der Gesamtheit der wissenschaftlich beschriebenen Arten. Datenquelle: IUCN/Wildlife in a changing world. An analysis of the 2008 IUCN Red List of Threatened Species.

Als gesichert gilt, dass sich die Artenvielfalt deutlich uneinheitlich auf Verwandtschaftsgruppen, Lebensräume und geografische Gebiete verteilt.

Insekten besitzen eine unvorstellbare Artenvielfalt

Unter allen Organismengruppen haben die Gliederfüßer die weitaus größte Artenvielfalt hervorgebracht. Mit 53% aller beschriebenen Arten treten die Insekten besonders hervor. Und dort wiederum sind Käfer, Schmetterlinge und Hautflügler am formenreichsten vertreten. Beinahe jede dritte Tierart gehört zur Ordnung der Käfer.

 

Schwertschwanz oder Pfeilschwanzkrebs

Pfeilschwanzkrebs (Limulus polyphemus)

Auch die Ordnung der Schwertschwänze gehört zu den Gliederfüßern. Sie hingegen umfasst ganze vier Arten und steht im zoologischen System isoliert. Der Körperbau der Schwertschwänze hat sich seit mehr als 100 Millionen Jahren nicht nennenswert verändert. Ihre Verbreitung ist reliktartig.

Es handelt sich um sogenannte 'Lebende Fossilien', deren weitere Bewahrung uns besonders am Herzen liegen sollte.

Regenwälder sind nicht die einzigen Horte der Vielfalt

Neben den tropischen Regenwäldern sind auch Korallenriffe, große tropische Seen sowie vermutlich die immer noch unzureichend erforschte Tiefsee außerordentlich artenreiche Lebensräume.

Der tropische Regenwald verdankt seine Artenvielfalt vor allem den Insekten. Pro Hektar Fläche findet man mehrere hundert Baumarten. Ein Baum kann über 1.000 verschiedene Käferarten beherbergen. Viele davon sind eng auf eine einzige Baumart als Lebensraum spezialisiert.

Korallenriff

In Korallenriffen und Tiefsee hingegen sind diverse Stämme und Klassen mit einem breiten Artenspektrum vertreten. Larvenstadien vieler Arten werden weit im Meer verdriftet. Das Große Barriereriff beherbergt über 300 Korallen-, 1.500 Fisch- und 4.000 Weichtierarten.

Der Artenreichtum der großen tropischen Seen konnte in einem Mosaik verschiedener Uferausbildungen, Flussmündungen und Bodentypen entstehen. Arten mit ähnlichen Lebensraum-Präferenzen bewohnen zahlreiche voneinander getrennte Nischen. Vor allem brutpflegende Arten sind so reproduktiv getrennt und entwickeln sich unabhängig voneinander weiter.

Hotspots der Vielfalt

Weltweit gibt es verschiedene Zentren der Artenvielfalt: sogenannte Hotspots. Anzahl und betreffende Regionen können je nach den zugrundegelegten Beurteilungskriterien etwas voneinander abweichen. Fest steht jedoch, dass es bestimmte Gebiete gibt, mit deren Schutz besonders viel für die Erhaltung der Biodiversität erreicht werden kann.

Hot spots der Verteilung der Arten

25 Hotspots der Artenvielfalt. Abbildung nach: Norman Myers u.a. (2000): Biodiversity hotspots for conservation priorities. Nature 403: 853-858.

Was genau ist eigentlich eine Art?

Selbst diese Frage ist alles andere als einfach zu beantworten. Die brauchbarste Definition ist der biologische Artbegriff, wie ihn Ernst Mayr formulierte: "Eine Art ist eine Gruppe natürlicher Populationen, die sich untereinander kreuzen können und von anderen Gruppen reproduktiv isoliert sind." Doch in der taxonomischen Praxis, bei der Beschreibung von Arten, hilft diese Definition meist nicht weit.

Wann werden alle Arten beschrieben sein?

Vermessung Hildebrandt-Glanzstar

Das hängt davon ab, wie wichtig uns künftig die Erforschung der natürlichen Vielfalt sein wird. Taxonomen, die diese Aufgabe leisten können, gibt es zur Zeit viel zu wenige. "Für viele ... Tierfamilien, ja selbst für manche Ordnungen und Klassen gibt es derzeit auf der Welt keinen einzigen Experten", so Mayr (2001).

Bei der derzeitigen Rate von rund 15.000 bis 20.000 Neubeschreibungen pro Jahr wären über 180 Jahre nötig, um insgesamt 5 Millionen wissenschaftlich beschriebene Arten zu erreichen.

Noch immer glingen sensationelle Sichtungen bislang unbekannter Großtierarten in schwer zugänglichen Gebieten. Doch gerade bei den im allgemeinen schlechter erforschten kleineren Arten lagern viele ungehobene Schätze bereits in den Magazinen der Forschungsmuseen, wo sie einer sorgfältigen Bearbeitung harren.

Um im Wettlauf der Erfassung gegen die rasante Vernichtung von Artenvielfalt aufzuholen, ist deutlich mehr Unterstützung und Förderung durch die Politik gefragt.

Biodiversität umfasst mehr als reine Artenvielfalt

Cover der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielflat

Artenschutz allein ist nicht immer ausreichend. Biodiversität oder biologische Vielfalt umfasst auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten sowie die Vielfalt der Ökosysteme. Die Erhaltung der Biodiversität erfordert Schutz und nachhaltige Nutzung dieses gesamten Spektrums.

Auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro wurde zu diesem Zweck das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) beschlossen.

2007 hat die deutsche Bundesregierung ihre 'Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt' veröffentlicht.

Empfohlene Literatur

  • Michael Gleich u.a. (2000): Life counts. Eine globale Bilanz des Lebens Berlin Verlag, Berlin, ISBN 3-8270-0350-4
  • Ernst Mayr (2001): What evolution is. Deutsche Ausgabe (2003): Das ist Evolution. Goldmann, München [Teil III: Ursprung und Evolution der biologischen Vielfalt]
  • Richard B. Primack (1993): Essentials of Conservation Biology. Deutsche Ausgabe (1995): Naturschutzbiologie Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg
  • Josef H. Reichholf (2008): Ende der Artenvielfalt? Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main
  • Bruno Streit (2007): Was ist Biodiversität? C.H.Beck, Nördlingen, ISBN 978-3-406-53617-5
  • Edward O. Wilson u.a. (1988): Biodiversity. Deutsche Ausgabe (1992): Ende der biologischen Vielfalt? Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, ISBN 3-89330-661-7 [Durch diese Buch wurde der junge Begriff Biodiversity (Biodiversität) allgemein bekannt.]

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