Wisentwald

Wisente: Die größten Landsäugetiere Europas

Erweitertes Wisentgehege: Wisentwald

Seit 1976 werden im Tiergarten Bernburg Wisente gehalten. Damals gelangte zunächst ein Wisentbulle aus dem Tierpark Berlin nach Bernburg. Im Jahr darauf folgten zwei Wisentkühe aus dem tschechischen Zoo Lešna.

Nicht weniger als 35 Jungtiere kamen seitdem im Tiergarten Bernburg zur Welt - von einer Tierart, die in der Natur schon einmal vollständig ausgerottet war.

Herdenlebender Waldbewohner

Wisente sind eindrucksvolle Tiergestalten. Bullen können eine Widerristhöhe bis 1,88 Meter erreichen. Ausgewachsen beträgt ihre Körpermasse durchschnittlich 750 Kilogramm. Einzeltiere wogen sogar mehr als 900 kg. Kühe sind leichter und erreichen im Mittel 460 kg.

In der Natur bilden Wisente Herden aus selten mehr als 20 Muttertieren und ihrem abhängigen Nachwuchs. Während der Brunft schließen sich einzelne oder wenige ausgewachsene Bullen diesen Herden an. Sonst leben die Bullen einzeln oder zu zweit. Heranwachsende Männchen sammeln sich in kleinen ausschließlich aus Junggesellen bestehenden Gruppen. Im Winter sind größere, gemischtgeschlechtliche Gruppen anzutreffen.

Wisentdarstellung in der Höhle von Altamira, Kantabrien/Spanien

Wisentdarstellung in der Höhle von Altamira in Kantabrien (Spanien), ca. 14.000 Jahre v.Chr. Foto: Ramessos/Wikimedia

Als Waldbewohner besiedelten die Wisente einst weite Teile des europäischen Kontinents sowie des Kaukasus.

Mit Ausbreitung des Ackerbaus und den damit einhergehenden großflächigen Waldrodungen begann für den Wisent ungefähr im 11. Jahrhundert der Ausrottungsprozess.

In der Natur war der Wisent bereits ausgerottet

Anfang des 20. Jahrhunderts existierten frei lebende Wisente nur noch in kleinen, besonders behüteten Restbeständen. Die letzten, weniger als 1000 Flachlandwisente (Bison bonasus bonasus) standen im Urwald von Bialowieza jahrhundertelang unter dem strengen Schutz des je nach politischen Verhältnissen polnischen, litauischen oder russischen Hochadels. Die Tiere wurden sparsam bejagt, regelmäßig gezählt und erhielten vor allem im Winter Zufütterung. Zeitweise drohte Wilderern von Wisenten sogar die Todesstrafe. Ab und an wurden einige wenige Wisente lebend gefangen und an Zoos, Adelige oder Großgrundbesitzer abgegeben.

Während des Ersten Weltkrieges, der eine mehrjährige deutsche Militärverwaltung des Gebietes mit sich brachte, wurde die letzte Population der Flachlandwisente bis auf wenige Exemplare dezimiert. Unter welcher Verwaltung die meisten Wisente starben, wird in verschiedenen Quellen unterschiedlich geschildert. Auch die Wirksamkeit des von der deutschen Militärverwaltung am 25. September 1915 für den Wisent wiedereingeführten Schutzes wird unterschiedlich beurteilt. Der Nachweis der Fährten von insgesamt vier Wisenten im Frühjahr 1919 wird heute vielfach als letztes Lebenszeichen des danach erloschenen Reliktbestandes angesehen.

Kaum besser war die Lage des Kaukasuswisents (Bison bonasus caucasicus). In den Bergwäldern am Kuban-Fluss im Nordwest-Kaukasus hatte sich ein Restpopulation erhalten, die 1870 auf 2000 Individuen geschätzt wurde, aber damals schon in dramatischem Rückgang begriffen war. Die zunehmende Besiedlung brachte Rodungen, Wilderei, konkurrierende Hausrinder und Viehseuchen mit sich.

Einstiger Lebensraum des Kaukasuswisents

Gebirgslandschaft des damaligen Wisentschutzgebiets im Nordwest-Kaukasus. Foto: E.W.Pfizenmayer. Aus Pfitzenmayer (1929).

Die Einrichtung eines Schutzgebietes in den 1890er Jahren sorgte über zwei Jahrzehnte für eine leichte Bestandszunahme, so dass 1910 immerhin wieder 600 Wisente vorhanden waren. Doch spätestens mit Ausbruch der Oktoberrevolution 1907 waren auch die Kaukasuswisente schutzlos. Als 1924 erneute Schutzbemühungen Gestalt annahmen, waren nur noch zehn Wisente am Leben und das Schicksal der Population bereits besiegelt. So fielen 1927 auch die letzten Kaukasuswisente Wilderern zum Opfer.

Internationale Gesellschaft versucht die Rettung

Nachdem der Frankfurter Zoodirektor Kurt Priemel bereits seit längerem ähnliche Überlegungen angestellt und umfangreiche Vorarbeiten geleistet hatte, fasste der Internationale Naturschutz-Kongress im Juni 1923 in Paris auf Initiative von Jan Sztolcman den Beschluss zur Gründung einer internationalen Gesellschaft, in der alle Länder, auf deren Gebiet sich Wisente befanden, gemeinsame Anstrengungen zur Rettung der Art unternehmen sollten. So wurde am 25. August 1923 im Zoologischen Garten Berlin die "Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents" gegründet. Gründungspräsident wurde Kurt Priemel.

Damals war nicht sicher bekannt, ob überhaupt noch freilebende Wisente existierten. Aber es war deutlich geworden, dass die Art ohne Einbeziehung der in Menschenhand befindlichen Individuen nicht gerettet werden konnte. So wurde durch die Wisentgesellschaft erstmalig für eine Wildtierart ein Internationales Zuchtbuch eingerichtet. Die Inventur ergab für Jahresende 1924 zunächst 66 Wisente. Später wurden zwölf Tiere wegen unsicherer Abstammung aus dem Zuchtbuch gestrichen, so dass die demographische Talsohle mit 54 Wisenten erreicht wurde.

Bestandsentwicklung des Winsents 1923 bis 2010

Entwicklung des Weltbestandes an Wisenten im Zeitraum 1923 bis 2010. Der Anteil der freilebenden Populationen ist grün eingefärbt, der Anteil der in Menschenhand lebenden Populationen gelb. Ergänzt nach Pucek et al. (2004).

Gegenüber 1924 hat die Anzahl der lebenden Wisente stark zugenommen. In den Anfangsjahren blieb der Zuwachs schwach. Herbe Rückschläge brachte der Zweite Weltkrieg. Danach beschleunigte sich die Vermehrung. Heute sind wieder über 4000 Wisente am Leben. Zuwachs erfährt die Art inzwischen vor allem durch wiederangesiedelte Populationen.

Ist der Wisent schon gerettet?

Die 54 im Jahr 1924 lebenden Wisente gingen auf insgesamt 28 Tiere zurück, für die keine verwandschaftlichen Beziehungen zueinander bekannt waren - sogenannte Gründertiere. Seitdem sind die Linien von 11 dieser Gründertiere komplett erloschen, für vier davon erst 1951. Die Nachkommenschaft von neun weiteren Gründertieren war irgendwann so gering, dass sie mit der heutigen Population nur noch durch vier Tiere verbunden sind.

Nach der Überwindung des demographischen Engpasses hat sich die genetische Basis der Art weiter drastisch verschlechtert. Alle heute lebenden Wisente gehen auf ein genetisches Äquivalent von gerade einmal 12 Gründertieren zurück. Von den ursprünglich fünf durch die männlichen Gründer eingebrachten Y-Chromosomen sind heute sogar nur noch zwei vertreten.

Die Gründertiere waren nicht ausschließlich reine Flachlandwisente. Einer der Bullen gehörte der Unterart des Kaukasuswisents an. Dieses Tier ist bis heute in der sogenannten LC-Linie repräsentiert, die auch Anteile aller anderen elf Gründertiere enthält. Getrennt davon wird eine reine Flachlandwisent-Zuchtlinie (die L-Linie) vermehrt, die eine noch schmalere genetische Basis besitzt und auf 4 männliche und 3 weibliche Gründertiere zurückgeht.

Wie der Wisent künftigen Herausforderungen gewachsen sein wird, bleibt abzuwarten. Als Folgen einer schmalen Zuchtbasis wären erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten oder verringerte Anpassungsfähigkeit an veränderte Lebensraumeigenschaften möglich. Deckunlust wegen schmerzhafter Entzündung der Penisspitze, wie sie bereits bei zahlreichen Wisentbullen beobachtet wurde, könnte beispielsweise damit in Zusammenhang stehen.

VU

In der globalen Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN wird der Wisent derzeit als bedroht geführt (VU = Vulnerable).

In der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN wird der Wisent aktuell in die Kategorie "Bedroht" eingestuft. 1996 bis 2007 wurde er noch als "Stark bedroht" geführt.

Entwicklung der Jungtiere

Neugeborener Wisent

Wisentjungtier am vierten Lebenstag.

Wisentjungtiere: links einjährig und rechts zweijährig

Einjähriges (links) und zweijähriges Jungtier nebeneinander.

Neugeborene Wisente wiegen rund 25 (± 10) Kilogramm. Innerhalb von drei Wochen verdoppeln sie ihre Körpermasse. Kühe sind mit fünf Jahren voll ausgewachsen, Bullen mit sieben.

Was Sie schon immer wissen wollten ...

Sind Wisente Büffel?

Häufig hören wir, dass unsere Besucher die Wisente als Büffel ansprechen. Doch vom zoologischen Standpunkt gesehen, ist das nicht richtig. Nicht einmal die Bezeichnung Indianerbüffel (oder englisch buffalo) für den in Amerika lebenden Bison ist korrekt.

Tatsächlich bezieht sich der Begriff Büffel auf zwei andere Formenkreise, nämlich auf die Asiatischen Büffel und den Afrikanschen Büffel.

Quellen

  • Krasinska, Malgorzata & Zbigniew A. Krasinski (2008): Der Wisent Bison bonasus. (= Die Neue Brehm-Bücherei. Band 74) Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben, ISBN 978-3-89432-481-0.
  • Mohr, Erna (1952): Der Wisent. (= Die Neue Brehm-Bücherei. Band 74) Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig, Leipzig.
  • Olech, Wanda (2009): The changes of founders' number and their contribution to the European bison population during 80 years of species' restitution. In: European Bison Conservation Newsletter, Band 2, S. 54-60.
  • Pfizenmayer, E.W. (1929): Biologische und morphologische Notizen über den Kaukasuswisent. In: Stechow, E. (ed.): Beiträge zur Natur- und Kulturgeschichte Lithauens und angrenzender Gebiete. Abhandlungen der mathematisch-naturwissenschaftlichen Abteilung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Supplement, 11. Abhandlung, S. 497-504.
  • Priemel, Kurt (1923): Maßnahmen zur Erhaltung des Wisents. In: Zoologica palaearctica. Band 1, S. 1-8.
  • Pucek, Zdzislaw (1991): History of the European bison and problems of its protection and management. In: Bobek, W. et al. (eds.): Global trends in wildlife management. Swiat Press, Krakow, S. 19-39.
  • Pucek, Zdzislaw (ed.) (2004): European bison. Status survey and conservation action plan. IUCN/SSC Bison Specialist Group. IUCN, Gland, ISBN 2-8317-0762-5.
  • Raczynski, Jan (1980): Biologische Grundlagen der Züchtung und Restitution des Wisents, Bison bonasus. In: Der Zoologische Garten (N.F.), Band 50, S. 311-316.

Verbreitung

Verbreitungskarte Wisent (historisch)

Nahe Verwandte

Präriebison

Präriebison
(Bison bison bison) im Thüringer Zoopark Erfurt

Waldbison

Waldbison
(Bison bison athabascae) im Tierpark Nordhorn

Bison Specialist Group der IUCN / SSC

Bison Specialist Group - Europe

Die Spezialistengruppe für Wisente unter dem Dach der Weltnatur-schutzorganisation.

European Bison Conservation Center

European Bison Conservation Center

Ein Netzwerk für den Schutz des Wisents.

Internationales Zuchtbuch für den Wisent

Logo des Internationalen Wisentzuchtbuchs: Kopf und Schulter eines nach links schauenden Wisentbullen

European Bison Pedigree Book

Księga Rodowodowa Żubrów

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